Hochgenuss mit langer Geschichte: Türkischer Mokka und die Kaffeehäuser Istanbuls

“Kaffee muss süß sein wie die Braut am ersten Tage, muss heiß sein wie die Braut am siebten Tage und schwarz wie die Mutter der Braut, wenn sie davon erfährt.” (B. Traven)

Die Leckermäuler im tripsta Marketing-Office haben sich ja – wie Kathi gestern schrieb – was wirklich Nettes ausgedacht. In einer Art Serie widmen sich die tripsta-Blogs abwechselnd der Zubereitung und natürlich dem Genuss einer Leckerei eines bestimmten Landes. Im April steigen wir mit Italien ein, aber schon vorab nutze ich die Gelegenheit, ein paar Worte über eines der wichtigsten Nahrungsmittel der Welt zu schreiben und Leseempfehlungen auszusprechen.

Als Kaffee-Junkie (ich trink ihn fast in allen Varianten gerne) hab ich mich mit Freude auf eine Recherche zum “Türkentrank” gemacht. Vermutlich gelangte die Kaffeebohne etwas im 14. Jahrhundert aus Äthopien nach Arabien. Dort wurde der Kaffeeanbau zum Big Business und mitten drin blühte die Hafenstadt Mocha, auch Mokka genannt, als Handelszentrum auf. Im heutigen jemenitischen al-Muchā lässt sich der frühere Reichtum allerdings kaum noch erahnen.

Aus Äthopien über Arabien in unser Herz

Die traditionelle äthiopische Zubereitungsart aber wird hier immer noch gepflegt. Die gerösteten Bohnen werden grob gemahlen oder im Mörser zerstampft. Das Mahlgut wird mit Wasser und Gewürzen in der sogenannten Jabana, einem bauchigen Tonkrug ähnlich einer Karaffe, aufgekocht und in kleinen Schalen serviert. Genauso wird der türkische Mokka zubereitet, nur dass im Gegensatz zum arabischen Mokka nicht Kardamom, Zimt oder Nelken verwendet wird sondern Zucker. Und das nicht zu knapp.

Für einen mittelsüßen türkischen Kaffee nimmt man

  • zwei Mokkatassen Wasser,
  • zwei Teelöffel Kaffee und
  • zwei Teelöffel Zucker.

In einem langstieligen Kännchen – Ibrik oder Cezve – aus verzinntem Kupfer oder Messing wird Wasser mit Zucker, dem Kaffee und eventuell Gewürzen verrührt und einmal aufgekocht (nur bis kurz vor Siedepunkt) bis sich Schaum bildet. Das Team von „KochDichTuerkisch“  hat die Zubereitung mal in ein kleines Video gepackt.

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Übrigens: Je länger die Röstung der Bohnen her ist, desto weniger Schaum bildet sich, habe ich mir von einem Chemiker erklären lassen. Die genaue Herleitung (Säure-Reaktionen) hab ich leider nicht verstanden, aber ich trinke meinen Espresso sowieso lieber ohne Thermometer und halte es mit dem Gesetz, dass ein Kaffee immer nur so gut schmeckt wie die Umgebung. Umso mehr liebe ich das Flair ursprünglicher Kaffeehäuser.

Kaffeehäuser in Istanbul

Die ersten dieser Orte des Glücks entstanden um 1511 in Mekka, hatten aber immer wieder mit Kaffeeverboten zu tun. Gleiches passierte in der Türkei. Erlaubt, verboten, gefeiert, verpönt: Die Anfangsjahre der „Einstiegsdroge“ Kaffee waren wirtschaftlich kein Wiegenlied für die Vorläufer der heutigen Kaffeehäuser, die bis heute vor allem in Istanbul für eine sagenhafte Atmosphäre sorgen. Einige Blogger haben das besser beschrieben, als ich es vermag. Ich möchte Euch die Lektüre folgender Beiträge empfehlen, von denen ich mal Auszüge poste, die vielleicht die Grenze zum Zitat schon überschreiten (sorry), aber ganz bestimmt Lust machen, den ganzen Artikel zu lesen.

“Das Café hat keinen Namen, keine sanitären Anlagen, keine Speisekarte und vermutlich auch keine Genehmigung. Es besteht aus einem kleinen Fischerboot, zwei Männern und ein paar wackeligen Stühlchen. Aber es ist wie so oft in Istanbul: The location makes the difference. Das Café wird von zwei Männern betrieben. Fischer, vermutlich, die schon viel Wasser durch den Bosporus haben fließen sehen. Ihre Haut ist gegerbt von Sonne und Wind.  Einer steht in der Küche auf dem kleinen Fischerboot und kocht unermüdlich Tee oder türkischen Mokka. Der andere bedient die Gäste. Es ist faszinierend, ihm beim Balancieren über die schmale Planke zuzusehen. Hin und her. Mit Tee oder Kaffee in der Hand. Ein wenig wortkarg, aber immer aufmerksam und freundlich.”

Katja Tongucer - bebekCafe

(c) Katja Tongucer – bebekCafe

“Das Mandabatmaz verspricht den besten türkischen Kaffee von ganz Istanbul. In einer kleinen Seitengasse der İstiklal Caddesi gelegen, muss man es erst mal ein bisschen suchen. Die kleine Gasse heißt Olivya Geҫidi, ganz in der Nähe des Galatasaray-Gymnasiums. Das Café ist winzig klein, aber dank der winzigen Möbel finden dann doch einige Menschen Platz. Winzige Möbel sind in Istanbul irgendwie Standard, selbst schicke, moderne Restaurants setzen auf die Miniaturausgaben von Tischen und Stühlen, was ab einer gewissen Anzahl Mezzes (türkische Tapas) zur Herausforderung wird. Aber auch das ist typisch für diese Stadt: Zu viel Alles auf zu wenig Platz – Menschen und Autos ganz vorne mit dabei.”

Das Karabatak in Karaköy/Istanbul – Schönes Café, guter Kaffee! (berlintidbits)

“Nachdem ich tagelang mit meiner Kamera durch Istanbul gelaufen bin, hügelauf, hügelab, durch unzählige Gassen, immer wieder über die Galata Brücke, in Märkte rein und um Moscheeen drumherum, war ich so voller Bilder, frittierter Fische und Tee, daß ich nur noch eines wollte: stundenlang in einem Café abhängen, Kaffee trinken und wahlweise nichts tun, Zeitung lesen oder nichts tun. Nur schön sollte es sein. Allen, denen es in Istanbul so oder so ähnlich geht, sei das Karabatak in Karaköy wärmstens empfohlen. (..) Das Karabatak ist an einer klitzekleinen Strässchenkreuzung hübsch und ruhig gelegen und ist mit der derzeit angesagten Mischung aus Mut zu schrägem Retro-Design und Gemütlichkeit eingerichtet. Ihr wisst schon: unverputzte Wände, ein paar schöne alte Kacheln hier und da, bunt zusammengewürfelte Möbel, ein alter kleiner Traktor steht rum, ein paar gut arrangierte Blümchen in schrägen Vasen … Zack! fühlen sich trendbewusste Einheimische, die lebhafte ExPatSzene und Touristen gleichermassen wohl.”

Die Geschwätzigkeit ist die Maschinenpistole der Kaffeehaustanten. (Ernst Haruschka)

Das Cinaralti Cafe (travelita.ch)

“Kurz nach dem Passieren der alten Burganlage in Anadolu Hisan ging es mit dem Taxi weiter zum nächsten Kaffeestopp in Kuzguncuk. Kuzguncuk versprüht schon fast einen dörflichen Charme und hat unzählige alte Holzhäuser, die die Strassen säumen. Das Cinaralti Cafe, welches direkt am Bosporus liegt, war zu dieser fortgeschrittenen Nachmittagsstunde gestoßen voll mit Einheimischen und es herrschte eine tolle Atmosphäre. Spannend an den Teegärten im Allgemeinen ist, dass viele Türken das Essen selber mitnehmen und dann nur einen Mokka oder einen Tee bestellen und den Nachmittag in Geselligkeit verbringen. Wir probierten dann gleich um die Ecke zum Kaffee auch noch die berühmten Teigtaschen – Börek-Pogača.”

Pierre Loti Cafe  (istanbultrails.com)

You may wonder why there is a teahouse in Istanbul in dedicated to a French naval officer and novelist. Well, the legend has it that during his stay in Istanbul in 1876, Pierre Loti gazed from this exact location over the Golden Horn in search of inspiration for his literary masterpiece Aziyadé.
Aziyadé is semi-autobiographical and tells the story of Loti’s illicit love affair with an 18 year old harem girl named Aziyadé. She was his greatest love, proof of which the golden ring holding her name that he wore for the rest of his life.

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