Warum sich ein Auslandssemester lohnt und was du dafür tun musst

Im Ausland studieren ist eine Erfahrung, die ich jedem empfehlen kann. Man lernt das Land nicht nur aus Urlaubersicht kennen, sondern den ganzen Alltag der Menschen. Man arbeitet mit ihnen, lernt mit ihnen, berät sich für Klausuren, schließt Freundschaften. Ich habe gleich zwei Auslandssemester gemacht (eins in Buenos Aires, eins in Mexiko Stadt) und in beiden Fällen fiel mir der Abschied von den neu gefundenen Freunden sehr schwer.

Ein Auslandssemester ist heutzutage leicht organisiert, wer an Programmen wie Erasmus teilnimmt, muss sich um nicht viel kümmern. Wer dort keinen Platz bekommt, kann sich für frei gebliebene Plätze an anderen Fakultäten bewerben. Oder sein Auslandsstudium selbst organisieren. Das ist mit Aufwand und Kosten verbunden, aber dafür kann man seine Uni frei wählen und ist bei der Länderwahl nicht auf Europa beschränkt.

Such Dir außergewöhnliche Ziele und bereite Dich früh und intensiv vor

Meiner Erfahrung nach lernen die Studenten ein Land am intensivsten kennen, die sich in ungewöhnliche Länder wagen. Dort studiert man oft nur mit Einheimischen. Bei Erasmus dagegen ist man in einer großen Gruppe anderer deutscher Austauschstudenten, das macht es oft schwer, mit den Locals in Kontakt zu kommen und die Sprache zu lernen.

Wer sich selbst ein Auslandssemester organisieren will, sollte zuerst die Wunschuni im Ausland anschreiben und sich informieren, welche Unterlagen gebraucht werden, um zugelassen zu werden. Das können zum Beispiel sein:

  • übersetzte Zeugnisse
  • polizeiliche Führungszeugnisse
  • Beglaubigungen
  • Sprachzertifikate
  • eine Bescheinigung der deutschen Uni, dass die Kurse angerechnet werden

Mich hat bei vielen dieser Dinge das International Office meiner Uni sehr unterstützt. Es hat außerdem oft Kontakte zu Studenten, die schon an der Uni im Ausland waren und die man um Tipps fragen kann.

Bei manchen Unis muss man sehr früh, manchmal bis zu einem Jahr vorher anfangen, zu organisieren. Bei anderen sollte man sich nicht verrückt machen, wenn sie lange nicht antworten. In Argentinien wurde mir zum Beispiel erst ein paar Monate vor Semesterstart zurückgeschrieben.

“Travel is the only thing you can buy that makes you richer” – Über´s Geld

Auslandsbafög sollte jeder erstmal beantragen, denn auch denen, die kein normales Bafög bekommen, steht es oft zu. Es beinhaltet nicht nur einen monatlichen Betrag für Miete, sondern auch die Erstattung des Flugs. Außerdem kann man sich zum Beispiel beim DAAD (Deutscher Akademischer Austausch Dienst) um ein Stipendium bewerben. Der DAAD bietet außerdem eine gute Länderübersicht mit ersten Infos, was man in welchem Studienland beachten muss.

An seiner deutschen Uni sollte man ein Urlaubssemester beantragen. So zahlt man die Semestergebühren nicht doppelt und die Studienzeit verlängert sich nicht.

Welche Kurse angerechnet werden, muss man mit den einzelnen Dozenten der Heimatuni besprechen. Bei mir waren manche bereit, einen Kurs der argentinischen Uni statt ihrem Eigenen anzuerkennen, wenn das Thema ähnlich war. Wenn man an einem von der Uni organisierten Programm teilnimmt, ist es wahrscheinlicher, dass alles angerechnet wird.

140212_TravelmakesyouricherEine Auslandskrankenversicherung muss auf jeden Fall abgeschlossen werden. Und zwar eine andere, als die man für Auslandsreisen abschließt, die gilt immer nur für kurze Zeiträume. Zusätzlich muss die deutsche Krankenversicherung weiterbestehen, da man sonst nicht an der deutschen Uni immatrikuliert bleiben kann. Das Studentenvisum kann man manchmal schon in Deutschland beantragen, manchmal erst im Land selbst.

In manchen Ländern bekommt man als Deutscher kostenlos ein dreimonatiges Touristenvisum. Wenn man nahe einer Landesgrenze studiert, kann es sich lohnen, das Land alle drei Monate kurz zu verlassen und wieder einzureisen, um das Visum zu erneuern. Die Unterkunft würde ich nicht vorher im Internet buchen. Denn weder Gestank, Schimmel, Lärm oder fiese Mitbewohner kann man auf den Fotos sehen. Ein preisliches Bild kann man sich aber übers Internet gut von Deutschland aus machen, das macht die Suche im Land später einfacher. Frei ist eigentlich immer etwas, andere Länder sind da oft viel spontaner als Deutschland. Für die erste Zeit kann man im Hostel wohnen und von dort aus suchen, zum Beispiel über Craigslist.

DO ́s

  • Bereite dich vor, lies Erfahrungsberichte, sprich mit anderen Studenten, die schon im Ausland waren. Und zwar mit möglichst vielen, denn Ansichten sind oft sehr unterschiedlich.
  • Sei mutig sein und wähle außergewöhnliche Länder. Erasmusstudenten in Spanien verbringen ihr Semester oft innerhalb der anderen deutschen Studenten. Was Spaß machen kann, aber vielleicht nicht Sinn der Sache ist.
  • Geh zu Sportkursen, nimm die Freizeitangebote der Uni wahr, so lernst du Leute kennen und lernst die Sprache. In manchen Fällen auch viel von der Kultur, ich habe zum Beispiel in Mexiko bei einem Tag der Toten- Maskenbastelkurs mitgemacht, so ein Angebot gibt es in Deutschland nicht
  • Zieh in eine WG mit Einheimischen. Eine gute Möglichkeit, die Feiertage des Landes mitzufeiern, den Alltag, die Bräuche, die Gedanken kennenzulernen
  • Such dir einen Sprachtandempartner, einen Einheimischen, der Deutsch lernen will und dir im Gegenzug seine Sprache beibringt
  • Leiste Freiwilligenarbeit, gerade wenn du in einem armen Land studierst. Ich habe in Mexiko zum Beispiel bei „Un techo para mi pais“ (Ein Dach für mein Land), einem Hausbauprojekt mitgemacht. Ich habe Menschen getroffen, die ich sonst nie getroffen hätte und die sehr dankbar waren, dass ich mitgeholfen habe, ein Haus für sie zu bauen
  • Verreise übers Wochenende. Es gibt so viel zu sehen und du wirst den
  • Orten, die du im Land sehen kannst, nie wieder so nah sein. – Meld dich bei Couchsurfing an. Auf die Art findest du nicht nur ein Bett für die ersten Tage, sondern auch Menschen, die dir helfen, eine Wohnung zu finden, dein Visum zu beantragen, eine Handykarte zu kaufen. Oft haben sie sehr wertvolle Ratschläge

DON´Ts

  • In ein Land zu fahren, ohne die Sprache zu können, erschwert das Ganze ungemein. Viele tun das, um die Sprache dort zu lernen aber ich finde, damit tut man sich keinen Gefallen. Weder versteht man die Vorlesungen, was sehr frustrierend ist. Noch kann man gut Kontakte mit den Einheimischen knüpfen. Auch wenn man die Sprache schon vorher kann, wird man viel lernen.
  • Sei nicht zu gutgläubig. Wenn du in eine WG ziehst, besteh auf einen Vertrag. Lass dir einen Beleg für deine Kaution geben. Europäer werden in armen Ländern oft als unermesslich reich gesehen, die Versuchung, ihnen ein bisschen mehr Geld abzuzwacken ist groß, das ist gar nicht böse gemeint.
  • Es ist verlockend, sich mit den anderen Austauschstudenten zu treffen. Man ist in der gleichen Situation, ärgert sich über die gleichen Dinge und versteht sich problemlos. Versuch aber auch, die Locals kennenzulernen, sie können dir ihr Land am besten zeigen.
  • Sei nicht zu knapp bei Kasse. Auch wenn dir viele Kosten finanziert werden, spar genug Geld, um reisen und ausgehen zu können. Die Chance, in einem anderen Land zu leben, bekommt man nicht oft und es ist so schade, wenn man sich wegen dem Geld alles versagen muss.
  • Sei nicht respektlos. Du bist Gast. Vieles ist anders, vieles weniger effizient als in Deutschland, du brauchst viel Geduld und gute Nerven. Widersteh der Versuchung, zu laut auf ein Land zu schimpfen, das kann verletzend sein.
  • Wenn du im Land einen Job annehmen willst, informier dich, ob du das mit deinem Visum überhaupt darfst. In ärmeren Ländern lohnt sich das aber so wenig, dass du besser vor deinem Abflug in Deutschland mehr arbeitest und das Geld für dein Auslandssemester sparst.

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Über die Autorin Caroline Lohrmann 

carolineCaroline reist für Ihr Leben gerne, obwohl sie nicht im Sitzen schlafen kann und sich oftmals schon am Flughafen verläuft. Im Flieger kämpft sie mit roten Augen und beim Aussteigen bleibt gerne mal was liegen. Wer ihren Reiseerlebnissen folgt, kann “all die Dinge richtig machen”, die ich schonmal falsch gemacht habe,” schreibt sie und deutet damit schon an, dass ihr Blog nicht für Verniedlichung und Schönwetter-Berichte steht.

 

Auf Carolines Reiseblog “Shave the whales” findet sich ihre Botschaft: Die Welt ist die beste Uni!

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About fluggast

fluggast Unsere Fluggäste im tripsta Blog sind Reise- und Techblogger sowie Reisebegeisterte, die hier als Gastautoren zum Thema "Digitales Reisen" bloggen. Wir sind jederzeit auf der Suche nach weiteren Gastautoren. Bei Interesse könnt ihr euch gerne bei Christina (blog (at) tripsta.de) melden.

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