Nadjas Trip: 14 Länder in 10 Tagen

Als wir von der albanischen Polizei angehalten werden, sind wir überzeugt, dass unsere Reise vorbei ist. Wir waren zu schnell und haben noch ein Dutzend anderer Verkehrsdelikte begangen, so hört sich zumindest das an, was der Polizist uns sagt. Er spricht kein Englisch und beginnt bereits, irgendein Papier auszufüllen.

Dabei sind wir nur aus Neugierde nach Albanien gefahren und wir fanden das Land schön. Bunte Obststände vor kahlen Hügeln, starker Mokka und viele kleine pastellfarbene Moscheen in den kleinen Orten.

Zum Glück hat der zweite Polizist scheinbar keine Lust auf Papierkram. Er winkt uns durch und empfiehlt uns, langsamer zu fahren. Auch das verstehen wir nur dank seiner Gesten, denn auch dieser Polizist spricht kein Englisch. Im Rückspiegel sehen wir, wie der erste Polizist sich aufregt – er hätte uns scheinbar echt gern eingebuchtet.

Dies bleibt der unangenehmste Moment einer Reise, die von Hamburg aus nach Istanbul gehen soll.

14 Länder in 10 Tagen

RijekaSplitVon München aus entscheiden wir uns die Strecke rechts der Dolomiten entlang zu fahren. Es sind meistens Landstraßen, und die Landschaft ist jede Reise Wert. Österreich und Italien werden an diesem Tag auf die Liste der  Länder aufgenommen, durchqueren Slowenien und nehmen einen deutlichen optischen Unterschied gleich nach der Grenze wahr. Die Häuser sind viel bunter als in Italien!

Wir halten in Rijeka (Empfehlung für den Abend: Sky Bar mit Blick über den Yachthafen und die Dächer der Stadt), und fahren dann an der Mittelmeerküste in den Süden. Und spätestens in Split entscheide ich mich, das mit Istanbul zu lassen und diese wunderschöne Gegend ganz in Ruhe zu erkunden.

Als ich ein kleines Mädchen war, war meine Mutter in Split, damals hieß das Land Jugoslawien. Nun heißt die Region Balkan, es gibt mehrere Währungen und Sprachen und – wie wir während der Reise feststellen – auch verschiedene Arten, unser kleines Problem zu regeln: Die Grüne Versicherungskarte.

Wenn man es gewohnt ist, innerhalb der EU zu reisen, dann denkt man nicht an die Papiere. So ging es meinem Reisegenossen, und es kostete uns am Ende der Reise fast 150 Euro, verschiedene an der jeweiligen Landesgrenze angebotene Ersatzversicherungen abzuschließen. Wo wir schon bei unangenehmen Reisekosten sind: Man sollte unbedingt an die Autobahnvignetten denken. Es kostet hinterher ungefähr das Zehnfache, wenn man ohne diese über eine Autobahn fährt.

Das Mittelmeer

Baden geht in Split wunderbar. Joggen auch. Fisch und Gemüse einkaufen und im Hostel selbst kochen, sich abends unter die Touristen auf der Promenade mischen. Unser Hostelvater empfiehlt uns, eine bestimmte Gegend weiter südlich zu besuchen, und der Empfehlung folgend, entdecken wir „die chinesische Mauer Balkans“ in Veliki Ston und eine märchenhafte Badebucht ein Dorf weiter. Wer hier nicht baden geht, ist selbst schuld. Auf dem Rückweg kann man Austern essen gehen, die hier gezüchtet werden.

Bosnien

Bosnien war das einzige Land auf der Strecke, in dem man keine Ersatzversicherung abschließen konnte. Wäre da nicht der nette Grenzbeamte namens Mario, wäre die schöne Reise nach drei Tagen vorbei gewesen. Doch Mario nimmt uns einen Schwur ab, dass wir keinen Unfall bauen, und so dürfen wir ohne Versicherungskarte die 10 km Bosnien durchqueren, bis wir wieder in Kroatien sind.

Abends starten wir noch einen Versuch, nach Bosnien zu kommen und zwar an einem anderen Grenzübergang in den Bergen, doch auch hier gibt es keine Lösung für unser Problem und so landen wir in…

Dubrovnik

Dubrovnik

Teuer und hübsch. Das trifft auf diese Stadt zu. Wer bereits ein paar Tage in Kroatien verbracht hat, bekommt in Dubrovnik einen Preisschock. Aber es gibt auch viele sehr teure Yachten zu sehen und es sind extrem viele Touristen unterwegs. Das ist nicht ganz das, was wir gesucht haben, also fahren wir weiter nach Montenegro.

Copacabana

Bar

Nach der Grenze entdeckt mein Auge neue Welten. Kaum zu glauben, dass Landesgrenzen so viel ausmachen können! Häuser, Straßen, auch die Landschaft – alles anders. Hier kann ich in den meisten Lokalen Russisch sprechen, auch wenn ich unsicher bin, wie die Menschen meinem Herkunftsland gegenüber stehen. Mehrfach halten wir an, um die Sicht auf das Meer zu genießen (in Kroatien verdecken die vorgelagerten Inseln den Horizont). Und dann parken wir und sind an der Copacabana, dem weitläufigen Strand. Es ist September, und es sind kaum Menschen hier. In den Gärten reifen Feigen, Mandarinen und Wein, und die Cevapi für das Mittagessen kann man sich beim Schlachter gleich grillen lassen. Dann noch zwei reife Tomaten vom Gemüsestand nebenan, fertig ist ein perfektes Mittagessen für kleines Reisebudget!

Kosovo, ein Reise-Muss!

Nach zwei Tagen in Montenegro und unserem Kurzabenteuer in Albanien, biegen wir von der Mittelmeerküste ins Landesinnere ein. Wir haben mittlerweile acht Länder auf der Liste und sind sehr neugierig auf das jüngste Land Europas: den Kosovo. Zurecht. Obwohl wir nur durch kleine Orte fahren, fühlen wir die Energie des „Newborn“ und viele Menschen auf den Straßen tragen das gelbe National-Shirt mit der „Newborn“ Aufschrift drauf. In einem Cafe, in dem ich frage, warum überall dieser Schriftzug zu sehen ist, holt ein Mann sein iPhone raus und zeigt mir geduldig sein Photoalbum, inklusive der Bilder aus dem Krieg. Eine sehr beeindruckende Begegnung und ein höchst spannendes (und landschaftlich absolut bezauberndes) Land mit einem starken Charakter.

Mazedonien, das Land mit Historie

Irgendwann unterwegs fing ich an, in Wikipedia nachzulesen, wo ich eigentlich bin. Obwohl der Balkan nur ein paar Tage von Deutschland entfernt ist, wusste ich kaum etwas über diese Region und war überrascht, wie viele spannende Geschichten mein Leben durch diese Rundreise bereichern. In Mazedoniens Hauptstadt Skopje sieht man den Kultur-Wirrwarr in Form von Denkmälern. Mönche neben Löwen, Ritter neben stillenden Frauen, zahlreiche Könige und dann noch zwei Brücken mit Statuen von Politikern, Schriftstellern und Musikern. Das alles vor dem Hintergrund einer alten Burg und einem Potpourri verschiedenster moderner Architekturwerke. Wäre ich nicht da gewesen, wäre mir etwas entgangen!

Skopje

Im Hostel lernen wir ein paar junge Menschen kennen und gehen zusammen in die Stadt. Die hohe Arbeitslosenquote macht erfinderisch, die meisten jungen Menschen haben parallel mehrere Jobs, lernen Englisch oder Deutsch, um im Ausland arbeiten zu können und sind viel weltoffener, als ein durchschnittlicher Deutscher.

Kuna und Dinaren

Wir überqueren eine weitere Landesgrenze und wechseln die Währung. Kuna hieß es in Kroatien, dazwischen konnten wir hier und da auch mal in Euro bezahlen (z.B. im Kosovo), nun stelle ich fest, dass das Geld in Mazedonien und in Serbien Dinaren heißt, anders aussieht und einen ganz anderen Umrechnungskurs hat. Hier wird die Mathe-Gehirnhälfte gefordert!

Serbien ist groß, und seit wir Nis verlassen haben, ist das Land flach und „gewöhnlich“, Belgrad erinnert mich an Chemnitz. Und dann sind wir auch schon in Ungarn, und das fühlt sich (bis auf die Sprache) sehr vertraut an. Budapest ist wundervoll und immer eine Reise wert. Auf dem Weg nach Wien biegen wir noch in die Slowakei ab: Bratislava sehen und in den deutschsprachigen Raum eintauchen.

Das waren sie, die 14 Länder in 10 Tagen, und nächstes Mal nehme ich mir gern mehr Zeit für manche Ecken dieser faszinierenden Regionen.

*******  Über die Autorin ******* 

Nadja Petranovskaja, ist in Russland geboren, lebt seit 1992 in Hamburg. Seit 2011 ist sie als selbständige Unternehmerin tätig und reist für ihr Leben gern. 2013 waren es 17 neue Länder auf der insgesamt 38 Länder langen Liste. In ihrem Blog spornt Nadja den Leser an, sein eigenes Leben zu führen und veröffentlicht immer wieder Reiseberichte aus den verschiedensten Ecken der Welt.

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About fluggast

fluggast Unsere Fluggäste im tripsta Blog sind Reise- und Techblogger sowie Reisebegeisterte, die hier als Gastautoren zum Thema "Digitales Reisen" bloggen. Wir sind jederzeit auf der Suche nach weiteren Gastautoren. Bei Interesse könnt ihr euch gerne bei Christina (blog (at) tripsta.de) melden.

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