Skiurlaub mal anders: Reisebloggerin Geertje von Nordic Family über Skigebiete in den Nordics

In den Norden? „Dunkel und kalt“ oder „Daran haben wir noch gar nicht gedacht, wir fahren immer nach Österreich‘‘, sagen die meisten Familien, denen wir vom Winterurlaub im Norden erzählen. Seit vielen Jahren und auch schon ohne Familie favorisieren wir Skandinavien für den Winterurlaub gegenüber den Alpen. Warum ist das so? Für uns, damals noch in Norddeutschland ansässig, jetzt im Raum Berlin, ist es in den Norden ungefähr genausoweit wie in den Süden. Die Skigebiete von Norwegen und Schweden befinden sich also in erreichbarer Nähe. Man muss dazu nicht den Polarkreis überschreiten und befindet sich auch weit südlich der Polarnacht. Im norwegischen Lillehammer wurden ja sogar einmal die Olympischen Winterspiele ausgetragen.

copyright: http://www.flickr.com/photos/hovenko/

Skeikampen: copyright: http://www.flickr.com/photos/hovenko/

Norwegen
Ganz aktuell testeten wir das Skigebiet Skeikampen auf seine Familienfreundlichkeit. Es gehört zum Großraum Lillehammer und ist deshalb gut von Oslo in zwei bis drei Stunden Autofahrt zu erreichen. Am Skitorget in Skeikampen, ganz zentral und im Hüttendorf, gibt es die verschiedensten Unterkünfte, von rustikaler Hütte bis Wellnesshotel ist für jeden etwas dabei. Wir bezogen ein Apartment mit zwei Schlafzimmern und einem Wohn-/ Esszimmer, was weniger als 100m vom zentralen Lift entfernt lag. Es dämmerte so gegen neun und um 9.30 Uhr öffnen die Lifte. Gegen 16 wird es wieder dunkel. Wer will, kann aber in in allen skandinavischen Skigebieten weiter auf beleuchtete Alpinstrecken, wie auch Langlaufloipen weiterfahren. In Skeikampen kann man Alpin und Langlauf wunderbar miteinander kombinieren, weil es ein weites Streckennetz an Loipen (150km gespurte Loipen), wie auch vielfältige, wie auch übersichtliche Alpinstrecken (21km, 17 Abfahrtsstrecken) gibt. Ein gut ausgebauter Funpark mit Rampen, Kickern und Rails kommt dazu. Einmal in der Woche gibt es Nachtskifahren, die Lifte sind dann nochmal zwischen 17 und 20.30 geöffnet.

Die Skischulgruppen sind familiär und werden von einem jungen auch internationalen, also mehrsprachigen Team angeleitet. Mit Englisch kommt man gut durch. Mehrfach pro Woche gibt es entweder auf der Piste Aktionen für die Kids, Skirennen, Gaudi oder Entertainment im Welcomecenter von Jonglage bis zum Besuch des Weihnachtsmannes. Ein kleines Schwimmbad gibt es für die noch nicht ganz Ausgelasteten auch, wie ein Spielraum für die ganz Kleinen und Mittelkleinen. Eine Kuh ist hier Maskottchen und erscheint als solche lebensgroße Figur bei den Aktionen für die Kids. Sie steht zum Kuscheln und für Fotos gerne parat. Unser Kleinster erinnert sich sehr deutlich, die Kuh muss wohl sehr eindrücklich gewesen sein, immerhin hat er eine Schoko Goldmedaille von ihr bekommen, nachdem er das erste Mal auf Skiern stand.

Generell sind die Skigebiete sehr familienfreundlich. Es fängt damit an, dass Kinder bis 7 Jahren keinen Skipass benötigen, wenn sie mit Helm fahren. Die Eltern dürfen sich einen Skipass teilen. Die Skischule ist äußerst günstig und an der Talstation gibt es immer kleine Gebiete ausschließlich für die kleinsten abgezäunt, dort gibt es dann Figuren die umfahren werden können, überdachte Fließbandlifte (‚Zauberteppiche‘ ) und kleine Holzhütten, in denen meistens um die Mittagszeit ein Feuer brennt, an dem man sich sein Würstchen brutzeln und sich aufwärmen kann. Einen extra Raum für eine Pause mit dem mitgebrachten Lunchpaket gibt es aber auch, Värmestuga oder Mat Rum genannt. So ist man nicht auf die Restaurants auf der Piste angewiesen, die zumindest in Norwegen schon mal die Urlaubskasse belasten können. In den Räumen für mitgebrachtes Essen, gibt es dann auch Mikrowellen. Die Lebensmittelpreise sind in Norwegen derzeit ca. zweieinhalb mal so hoch wie in Deutschland. Wenn man also die Möglichkeit hat, sich etwas mitzubringen, schont man das Portemonnaie.

In Schweden ist es dagegen weitaus günstiger. Wir schätzen, dass es derzeit außer bei Alkohol etwa ein Drittel teurer ist als in Berlin/Brandenburg. Münchnern, Hamburgern oder Kölnern würde kaum ein Unterschied auffallen. Skeikampen ist das familienfreundlichste Skigebiet, was wir in Norwegen kennengelernt haben. Aus früheren Jahren kennen wir Trysil und Geilo, welche mehr auf Alpin Ski ausgerichtet sind, als auf Langlauf. Und Lillehammer was mit dem olympischen Flair punktet.

Schweden
In Schweden lieben wir das Idre Fjell.  Maskottchen ist hier Åske, das Kuschel Rentier, was die Kinder auch nach Skischulende zu ihrem Diplom beglückwünscht. Das Hüttendorf um das Skizentrum bietet auch für jeden Geschmack eine Unterkunft und fast von jeder Hütte ist man ganz schnell an einer Piste oder Loipe, die einen zum Lift bringt. Feuerplätze und Wärmestube sind selbstverständlicher Bestandteil des Familienskitages. An einer Langlaufloipe mitten im Wald bäckt Pettersson Waffeln und ist ein lohnenswertes Ausflugsziel.

Schweden Idre Fjäll: copyright http://www.flickr.com/photos/mprinke/

Schweden Idre Fjäll: copyright http://www.flickr.com/photos/mprinke/

Skandinavien allgemein
Das Cross Country Skifahren ist hier auch unter jüngeren Leuten viel beliebter als bei uns, es gibt sogar Skischulen für Langlauf in allen Altersklassen und man sieht ganze Familien auf den schmalen Skiern ihren Sonntagsausflug machen. Die kleinesten sind dabei hinten im Fjellpulken einem recht geschlossenen Schlitten eingemummelt, der an einem Geschirr dem ‚Leittier‘ um die Hüfte gebunden ist und in der Loipe gezogen wird. Rodelschlitten sind aber auch überall zu haben und manchmal werden nach Liftschluss einige Strecken zum Rodeln freigegeben. In der Skiausleihe kann man alle erdenklichen Ausrüstungen leihen. Für einen Fjellpulken (so heißen die Schlitten, die man beim Langlauf hinter sich herzieht.) ist es gut, sich vorher anzumelden. In Skandinavien muss man generell mit niedrigeren Temperaturen rechnen. Wenn man darauf gut vorbereitet und auch eingestellt ist, muss das kein Problem sein. Wir tragen dafür verschiedene Schichten von wollener Kleidung, immer eine Skimaske unter dem Helm und auch Wollsocken. Kälte Creme ist gut für die Gesichtspartien, die trotzdem noch rausgucken. Skibrille ist selbstverständlich und auf Langlauftouren ein Headlight, falls man mal später zurückkommt als gedacht. Bei Temperaturen kälter als minus 15 Grad sollten kleine Babys nicht mehr lange draußen sein. Sie bewegen sich einfach zu wenig um warm zu werden. Apres Ski, Wellness, inkl. Sauna dürfen in ganz Skandinavien nicht fehlen.

Als Familie haben wir unser Augenmerk nicht so auf Partys gehabt, Sauna war uns dagegen immer sehr willkommen. Fast in jeder Unterkunft gibt es auch einen Kamin, wo sich auch prima nach einem langen Skitag ausruhen  lässt. Beliebte Aktivitäten sind außerdem, mit einem Pferdeschlitten durch die nordische Landschaft zu gleiten oder gar ein Hundeschlitten Gespann selbst zu führen oder auf einem mitzufahren. So erfährt man die Natur dort oben sehr authentisch.

Ein besonderes Skigebiet gibt es nördlich des Polarkreises, das nördlichste der Welt  in Riksgränsen, wie der Name schon erahnen lässt, befindet es sich genau auf der Grenze zwischen Norwegen und Schweden. Man kann dort bis ins Frühjahr hinein gut Skifahren und kann während einer Abfahrt mehrfach das Land wechseln ohne den Pass zeigen zu müssen.

Gesammelte Infos:

Ein Tages Skipass kostete in Skeikampen: ca. 42 Euro
Im Idrefjell: ca. 45 Euro

Skigebiete in Norwegen: 

•            Hemsedal
•            Hafjell
•            Trysil
•            Oslo Winterpark
•            Geilo
•            Norefjell Kvittfjell
•            Hovden
•            Myrkdalen
•            Kongsberg

Skigebiete in Schweden

•            Åre
•            Vemdalen
•            Branäs
•            Funäsdalsfjällen
•            Sälen
•            Idre Fjell
•            Tärnaby

Heißer Tipp für die kalte Jahreszeit, die Fährgesellschaft Colorline bietet Winterurlaubspakete zusammen mit den Skigebieten an, in denen die  Fährfahrt inkludiert ist und letztendlich fast geschenkt ist. Man fährt von z. B von Kiel nach Oslo in weniger als 24 Stunden und hat dann nach erholsamer Nacht noch eine kurze bis mittlere Autofahrt vor sich. Die Fähre bietet sich auch an, wenn man das Idrefjell in Schweden besuchen will. Rein Kilometermäßig ist die Strecke günstiger als z.B. von Stockholm.

————————————————————————————————————————————————————————————————————————

Über die Autorin Gertje und ihr Nordic Family Blog

Wir, das sind Morten (8Monate), Merle(5Jahre) und die Eltern Jan und Geertje, reisen gern und viel, bisher hauptsächlich in den Norden.
Gerne Off Season, abseits ausgetretener Pfade und berichten davon in Ausstellungen, Vorträgen auf unserer Facebookseite und in unserem Blog. Gerne geben wir Familien Tips, inspirieren, einfach mal loszuziehen, denn es kann einfacher sein als gedacht gerade mit kleinen Kindern unterwegs zu sein. In fremden Ländern kommt man schnell mit anderen in Kontakt, die fremde Sprache ist zweitrangig. Die Kinder sind offen für Begegnungen… so ist es schön in die Natur und Kultur anderer Gegenden einzutauchen. Schaut gerne auch in unser Buch NÖRDLICH VON HIER… was wir veröffentlicht haben.

Zum Nordic Family Blog: http://www.nordicfamily.
FB-Fanpage: https://www.facebook.com/nordicfamily

About fluggast

fluggast Unsere Fluggäste im tripsta Blog sind Reise- und Techblogger sowie Reisebegeisterte, die hier als Gastautoren zum Thema "Digitales Reisen" bloggen. Wir sind jederzeit auf der Suche nach weiteren Gastautoren. Bei Interesse könnt ihr euch gerne bei Christina (blog (at) tripsta.de) melden.

TAGS: , ,

0 Comments

You can be the first one to leave a comment.

Leave a Comment