Schneller, Propeller! Über Fernflüge mit kleinen Kids

Vor Kurzem war es soweit: Wir wollten zum ersten Mal mit unserem sechs Monate alten Baby in den Kurzurlaub ans Meer. Schon Wochen vorher Panik. Was nehme ich nur mit? Schieben wir – bei 4h Fahrt! – eine Zwischenübernachtung ein? Im Vorfeld meiner Weltreise hatte ich mir weit weniger Gedanken um Packlisten gemacht. Nun aber liegt die Verantwortung für eine weitere Person bei mir und plötzlich ähneln schon Tagesausflüge zu den 60km entfernten Großeltern kleineren Umzügen.

Völlig entspannt hingegen scheint meine Freundin Teresa mit dem Thema umzugehen. Sie bereiste gemeinsam mit Mann und Baby für ein Vierteljahr Australien im Wohnmobil, lebt mittlerweile mit nunmehr zwei Kindern (4 Jahre & anderthalb Jahre) in Hongkong, geht von dort auf Backpackingtrips und besucht 2x im Jahr Familie und Freunde in Deutschland. Ich habe sie ein bisschen ausgehorcht, wie man die Frage “Wann sind wir endlich da?” umschifft – und wie zum Teufel man die Interessen aller Mitreisenden auf Fernreisen bedienen kann.131125_Babysleepingplane_klein

Das Wichtigste zuerst: Worauf kann man verzichten? Und woran sollte man unbedingt denken?

Abhängig vom Reiseziel versuchen wir natürlich immer so wenig wie möglich mitzunehmen. Toll sind Ziele mit warmem Wetter, dann reichen wirklich ein paar Klamotten und lieber wird bei Bedarf alles durchgespült. Wenn es nicht gerade ein Businesstrip ist, können die Klamotten im Urlaub auch gern mal ordentlich verdreckt sein, das muss so sein. Ich packe nach dem Layerprinzip. Zu Unterwäsche, Socken, T-Shirt, Shorts und Röckchen noch ein Longsleeve pro Kind, eine etwas kuschlige Kapuzenjacke, eine bequeme lange Hose oder Legging, ein Paar Strumpfhosen und ein dünnes Tuch für Kopf oder Hals – damit kommt man schon sehr sehr weit. Windelkinder sind natürlich aufwendiger. Wir verzichten im Urlaub auf Stoffwindeln und nehmen Wegwerfwindeln mit. Bisher hat es immer gereicht, aber in fast allen Ländern bekommt man Windeln auch zu kaufen. Zwei drei Waschlappen sind ganz praktisch, falls es mit den Feuchttüchern nicht reicht. Deswegen immer ein Stück Kernseife einpacken, das läuft nicht so fies aus und hilft auch bei verdreckten Klamotten. Wir packen meist zu den Schuhen an den Füssen (fast immer FlipFlops) noch ein weiteres Paar ein, weil Kinderschuhe doch manchmal schwer zu bekommen sind. Fährt man zu einer kälteren Jahreszeit weg, stockt man einfach die längeren Kleidungsstücke auf und nimmt weniger Shirts mit… aber immer gilt: Weniger reicht meistens!

Für jedes Kind nehmen wir außerdem zwei, maximal drei kleine Spielzeuge mit, die aber ehrlich gesagt fast immer in der Tasche bleiben. Für größere Kinder ab ca. 3 Jahren kommen noch Kopfhörer, ein Notizbuch zum Malen, Stifte, die man nicht spitzen muss (sonst super nervig im Auto oder Flieger) und ein oder zwei Vorlesebücher dazu. Je nach Urlaubslänge gern ein neues mit mehreren Geschichten, toll ist es auch, wenn die Bücher einen Bezug zum Reiseland haben. Eine auslaufsichere Trinkflasche (praktisch für nachts und unterwegs) muss auch mit.

Für Badeurlaube gilt: Wer den Luxus eines Pools haben sollte, muss an Schwimmwindeln denken, wobei wir da einfach 2 bis 3 Stoffwindeln mitnehmen, um Gepäck und Müll zu sparen. Schwimmärmel gibt es zwar überall, aber da nehmen wir lieber eigene, sichere mit. Jedes Kind bekommt eine kleine Schaufel, jeweils ein Förmchen und den Eimer teilen sie sich. Das muss reichen, denn wir müssen es schließlich schleppen. Für Strandurlaube auch super: ein dünnes Kapuzenhandtuch. Das ist bei uns immer dabei.

Und was gehört nach Eurer Erfahrung in die Kinder-Reiseapotheke?

Fieberzäpfchen/-saft, Hustensaft, Nasentropfen, Einreibesalbe bei Erkältung, Wundcreme, Arnicasalbe und Kügelchen (ist natürlich Einstellungssache) sowie die homöopathische Miniapotheke für Kinder. Wenn wir mit Säuglingen unterwegs waren, kamen noch was gegen Säuglingsschnupfen und Durchfall dazu. Sonst noch Mückenspray für Kinder (die meisten Länder sind “offener” was DEET angeht und bieten das auch für Kids an), Sunscreen (fast überall viel viel teurer als in Deutschland) und eine kleine Tube Fenistil, die haben wir allerdings in 4 Jahren nicht angerührt. Sonst findet man noch in unserer kleinen Kinderwaschtasche Haarwaschmittel & Duschbad im Miniformat (für die Grundreinigung aller paar Tage), die magic hair brush, die nie ziept, genug von den einzig akzeptierten Schnullern und natürlich Zahnbürsten & -pasta.

Ihr seid viel mit dem Flugzeug unterwegs: Wo befindet sich eigentlich der günstigste Sitzplatz im Flieger, um selbst entspannt zu reisen und anderen Passagieren möglichst wenig auf die Nerven zu gehen? 

Meist bekommt man automatisch Baby Row angeboten. Vorteile: mehr Beinfreiheit, wenn das Kind unter 15 kg (je nach Maschine unterschiedlich) und nicht gerade lang gewachsen ist ein Bassinet zum Schlafen und die grundsätzlich höhere Toleranz der Rundumsitzenden. Nachteile: das Bassinet ist nur für ganz kleine Babys toll und wenn die Kinder wirklich schlafen, sonst ist es extrem nervig, da es zum Rumklettern und darin Aufstehen einlädt. Außerdem muss man in manchen Airlines (z.B.: Lufthansa, Cathay ist dabei entspannter) das Baby rausnehmen, sobald das seat belt sign angeht. Und bei einem nervösen Piloten oder einem längeren Flug kann das schon mal echt blöd sein, das Kind aus dem Bett zu reißen. Weitere Nachteile: Baby Row ist meist hinter der Küche, also ist es lauter und hektischer. Die Monitore sind an der Wand befestigt und schlecht drehbar oder man muss sie in einigen Maschinen aus dem Sitz klappen, was unbequem zum Rauskommen ist. Das spielt natürlich nur eine Rolle, wenn man überhaupt zum Filmgucken kommt. Deswegen sind Nachtflüge so toll, da schlafen die Zwerge von 12h Flug gern mal 6-7h, über den Rest reden wir jetzt mal nicht… ist auch nur eine Frage der Getränkekarte 🙂

Was man ebenfalls in der Baby Row bedenken sollte ist, dass man meist frontal zur Abteil-Klimaanlage sitzt und nicht wie in den seitlichen oder hinteren Plätzen durch die Lehne des Vordermanns geschützt ist. Das kann sehr kühl werden, gerade nachts und die Familie sehr krank, gern an Weihnachten.

Weiterer Nachteil: die Armlehnen zwischen den Sitzen sind nicht umklappbar (wegen der Esstische, die man ausklappen muss). Reist man mit mehr als einem Kind, kann sich das Kind, welches nicht ins Bassinet passt, dann auch nicht quer über die Sitze auf den Schoss legen. Gerade bei Nachtflügen eher ungünstig.

Grundsätzlich gilt, je kleiner die Kinder umso besser ist die Baby Row. Ansonsten lieber nachfragen, ob man eine Reihe mit einem leeren Platz bekommen kann.

Was MUSS ins Handgepäck? 

Bei uns:

  • Windeln, Feuchttücher (beides bekommt man z.B.: bei Cathay automatisch, wenn man mit unter 2-jährigen Kindern eincheckt, deswegen reicht ein Grundbedarf)
  • Wechselshirt (lang) und Hose, denn meist ist schon vor dem Start der Apfelsaft verkippt
  • seit das zweimal passiert ist und ich meine Socken geopfert habe, packe ich noch jeweils ein Paar Socken mehr ein
  • für Nachtflüge: Socken mit fester Sohle zum Schlafen und Rumlaufen
  • Fluggurt http://www.cares.eu/
  • iPad & Kopfhörer
  • kleine Snacks
  • tropffreie Trinkflasche (in die wird alles sofort umgefüllt)
  • Halstuch
  • kein kleinteiliges Spielzeug, sonst ist ständiges Suchen angesagt
  • die meisten Airlines haben auch Entertainment Packages für Kinder, die sind aber fast immer Schrott (wer bitte denkt, dass Mini Puzzle eine gute Idee für den Flieger sind?)
  • Post-its und Bleistift haben sich als Dauerbrenner bewährt
  • Taschentücher
  • Nasenspray
  • für Babys Stilltuch (auch ideal um das Bassinet abzudunkeln, ich hatte mal eine Sitznachbarin, die hat das mit Gaffa Tape zeltartig festgemacht)
  • einen kleinen Beutel, den man zuziehen kann (also rausfallsicher), in dem alles außer Klamotten drin ist. Den kann man gut an den Sitz hängen.

Auf keinen Fall zu viel mitnehmen! Sonst schleppt man zusätzlich zum Baby noch eine schwere Tasche, das ist auch kein Spaß.

Möchte man es sich leisten, einen Extra-Sitz fürs Kind unter 2 Jahren zu reservieren (ab da MUSS man einen Extra-Sitz kaufen), sollte man die Richtlinien der Airline genau überprüfen. Und am besten ausdrucken und mitnehmen! Bei Cathay Pacific z.B. ist die Maxi Cosi Babyschale erlaubt, aber das wissen nicht alle Flugbegleiter. Wichtig ist der FAA oder TÜV Sticker.

Ihr habt Eurem Jüngsten mit wenigen Wochen einen Reisepass verpassen müssen. Wie oft musstet Ihr diesen eigentlich schon aktualisieren? Babys verändern sich doch rasend schnell, offiziell ist der Pass aber sechs Jahre gültig?!

Der Pass ist in jedem Fall 6 Jahre gültig –  außer er ist eher voll. Bei uns ist das nun mit 4 Jahren der Fall und somit kommt auch mal ein neues Passbild rein. Beide Kinder haben ihre Pässe mit 2 Monaten erhalten und entsprechend anders sehen sie inzwischen aus. Bisher war das in keinem der vielen Länder ein Problem. Man kann aber problemlos für einen geringen Aufpreis das Passbild erneuern lassen, allerdings haben wir es zeitmäßig nie geschafft, ausreichend lange am Heimatort zu sein. Das Konsulat bietet diesen Service nicht an. Wichtig ist die Gültigkeit der Pässe vor der Abreise zu überprüfen, da viele Länder eine Mindestgültigkeit voraussetzen. Wir sind kürzlich leider nicht in die Philippinen gelassen worden, weil der Expresspass des Jüngsten (1 Jahr gültig) nur noch 5 statt der erforderlichen 6 Monate gültig war.

Über Impfungen wird ja schon innerhalb Deutschlands heftig diskutiert. Gibt es unverzichtbare Tipps für tropische Gefilde? 

Impfen ist ohnehin ein stark polarisierendes Thema. Da wir unsere Kinder auch erst mit einem Jahr nur gegen die vier klassischen Kinderkrankheiten impfen lassen haben, kam für uns nie in Frage, sie des Reisens wegen zu impfen. Uns wurde allerdings auch von klassischen Schulmedizinern von derartigen Vorsorgeimpfungen abgeraten. Da wir in Hongkong leben, wo ganz andere Krankheiten auftreten, haben wir das Thema damals erneut untersucht und uns dann z.B. doch gegen Hep B entschieden.

Wir würden mit den Kindern auch nicht in ein stark malariagefährdetes Gebiet reisen oder sie anderen vermeidbaren Gefahren aussetzen. Dazu gibt es einfach zu viele risikofreie und tolle Reiseziele. Mosquitospray haben wir immer dabei und wenn es nicht zu arg ist, nutzen wir Anti-Mücken-Armbänder oder -Sticker, um die Kleinen nicht mehrmals täglich völlig einzunebeln. Denn leider helfen alle bisher getesteten Insektenrepellents auf biologischer Basis nicht annähernd gut wie das unbeliebte DEET.

 Abschließend: Du und Nick seid schon viel rumgekommen. Wie hat sich das Reisen durch die Kinder verändert? Vermisst Ihr irgendwas?

Das Reisen ist langsamer geworden, etwas aufwendiger und unspontaner. Abends ewig über Märkte stromern ist nur selten drin, dafür ist es aber wirklich nie langweilig. Und das kann auf längeren Reisen schon mal passieren. Wir erleben die Länder aus einer anderen Sicht. Es ist toll, mit seinen Kindern die Welt anzuschauen und zu beobachten, welche Details sie wahrnehmen. Wir vermissen das exzessive Lesen auf Reisen und die abenteuerlicheren Transportformen. Aber wenn die Kinder ein bisschen größer sind, kann man vielleicht wieder mal auf dem Dach eines bunt angemalten Dorfbusses durch den Himalaya in Nepal schaukeln. Das macht dann sicher allen gleich viel Spaß.

Danke!

Mittlerweile waren wir an der Ostsee. Und was soll ich sagen? Die Autofahrt war problemlos und jede Menge Spielzeug blieb unbespielt. Ich hatte mir im Vorfeld nicht nur zu viele Gedanken gemacht, sondern auch viel zu viel eingepackt. Ein Reisebett gab es vor Ort, Supermärkte mit allen eventuell nötigen Dingen auch. Beim nächsten Mal also fängt der Urlaub schon beim Packen an.

 

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Weitere Lese-/Blog-Tipps werden gerne entgegengenommen 🙂

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