Als Frau allein auf Weltreise? Aber sicher!

Füttert man die Suchmaschinen mit Anfragen wie „Als Frau allein auf Reisen“ spuckt das Internet höchst unterschiedliche Meldungen aus. Von „Absolut kein Problem“ bis hin zu „Niemals allein unterwegs sein!“ driften die Meinungen auseinander und nach meinen Erfahrungen liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. In diesem Beitrag möchte ich von meinen Erlebnissen berichten, die mich hinsichtlich Erkenntnisgrad teilweise dann doch überrascht haben.

Familie, Freunde und Bekannte ließen mich beispielsweise nur besorgt nach Südafrika aufbrechen, wo ich in sieben Wochen von Kapstadt nach Johannesburg unterwegs war. Ein wunderschönes Land mit einer (ver)störend hohen Vergewaltigungsrate und vielleicht nicht unbedingt der leichteste Einstieg als Frau allein unterwegs. Aber was soll ich sagen? Mit gesundem Menschenverstand ausgestattet und der Beachtung einiger elementarer Regeln, die ebenso für windige Ecken deutscher Großstädte gelten, lässt  sich berichten: Ja, Südafrika ist auch als Frau problemlos zu bereisen. Ich bin mit Kurierfahrern 200 km durch die Transkei gerumpelt, wartete nicht nur einmal als einzige (weiße) Touristin auf meinen Anschlussbus und war in Kapstadt nachts auch allein zu Fuß unterwegs – ich glaube an ein Gespür für Situationen und Menschen und habe mich in den anderthalb Monaten Südafrika nicht ein einziges Mal unwohl gefühlt. Weil ich mir nicht zu blöde war, jemanden um Begleitung zu bitten, wenn mir Uhrzeit oder Gegend seltsam vorkamen, weil man Etappen auch ganz leicht mit anderen Reisenden gestalten kann, egal, ob nur eine kurze Wegstrecke oder mehrere Tage (meistens trifft man sich als Backpacker sowieso immer wieder), weil man bei der Abfahrt  laut am Telefon jemandem Bescheid geben kann, wo man gerade ist, wohin man will und dass man sich schon freut, am Bus abgeholt zu werden – notfalls tut man nur so und quatscht in ein stummes Telefon. Und in der Nähe größerer Menschenansammlungen, Läden oder Cafés fühlt man sich eben auch sicherer als beim Trampen an der einsamen Landstraße. Letztlich gibt es zwischen gänzlich allein und All-inclusive-Regenschirmtourismusgruppe sehr bequeme Zwischenlösungen – in Südafrika beispielsweise den Baz Bus oder Touren durch die Drakensberge. Südafrika ist ein Land wie ein Bilderbuch voller dramatischer Geschichte(n), Menschen mit breitem Lachen und unbedingt eine Reise wert.

Blick aus Unterkunft in Kapstadt: Nicht so gut für´s Sicherheitsgefühl

Blick aus Unterkunft in Kapstadt: Nicht so gut für´s Sicherheitsgefühl

Auch das Bereisen Südamerikas wird immer beliebter, Sicherheitsaspekte lassen sich hierbei ebenso wenig landesspezifisch pauschalisieren wie andernorts. Infrastrukturell sind Chile und Argentinien bestens erschlossen, Überlandbusse DIE Lösung, große Entfernungen zu überwinden. In den drei Monaten links und rechts der Anden sind mir jedoch durchaus Unterschiede im Umgang mit Frauen aufgefallen. Ja, argentinische Männer sind Machos, sie pfeifen dir hinterher, sie begreifen Flirten als Spiel, kommen dir dabei aber nie zu nah und verstehen ein Nein als Nein. Argentinische Frauen verstecken sich nicht, flanieren stolz und herausgeputzt durch Buenos Aires und selbst in Kleinstädten tragen sie ihr Frausein selbstbewusst zu Tage. Der Umgang von Männlein und Weiblein ist sehr viel entspannter als beispielsweise in Chile, einem Land, in dem die Frauen mir gegenüber oft sehr reserviert reagierten und die Männer hartnäckig an einem baggerten, gratwandernd zur Aufdringlichkeit. Den Chilenen wird gern missmutige Laune unterstellt und diesen Eindruck teile ich leider. Unangenehme Begegnungen sind mir nur in Chile widerfahren. Bei längeren Busreisen – gerade nachts – empfehle ich, immer die Nähe von Fahrer und Steward zu suchen, also im vorderen Bereich Platz zu nehmen sowie das Leselicht anzulassen. Und sollte der Sitznachbar doch übergriffig werden, bittet um eine andere Platzierung und schaut nicht verschämt aus dem Fenster, sitzt es nicht aus, sondern agiert selbstbewusst, das verschreckt diese Kerle viel mehr. Auch das teilweise aggressive Anquatschen und die Suche nach Körperkontakt lassen sich mit direkten Ansprachen unterbrechen und vielleicht sogar gänzlich vermeiden. Lernt Spanisch (keine Angst vor derben Schimpfwörtern) und macht euch darauf gefasst, niemals lang allein zu sein, wenn ihr auf einer Parkbank ein Buch lesen wollt. Die sicherste Methode, sich in Chile oder Argentinien unliebsame Begegnungen vom Leib zu halten, ist leider noch immer die Begleitung durch männliche Reisende, dann hat man als Frau wirklich Ruhe. Aber auch zwei Mädels gemeinsam wirken schon abschreckend genug. 😉

Völlig unproblematisch ließen sich Länder wie Australien und Neuseeland bereisen, auch Costa Rica war – bis auf das nächtliche San Jose, das aber ohnehin nicht zu den Sehenswürdigkeiten des Landes gehört – einfach zu erkunden.

Wer sich weiter zum Thema informieren will, noch Motivation oder Inspiration sucht, durchstöbert einfach die aufgeschriebenen Gedanken einiger Reisebloggerinnen: Doris aka littlemissitchyfeet hat zum Thema auf FM4 ihre Ansichten geteilt:

Bei ihr habe ich auch die Infografik gefunden, aus der dieser Ausschnitt stammt (Zum Angucken klicken):

Infografik: Frauenreisen (c) HostelBookers

Screenshot der Infografik: Frauenreisen
gefunden bei HostelBookers

 

Uta aka bravebird hat in mehreren Folgen andere Bloggerinnen über das Alleinreisen befragt. Fazit: Nur Mut! Auf blickgewinkelt zeigt Inka in beeindruckenden Bildern ihre Sicht auf die Welt und auch Anja von happybackpacker meint: Keine Angst vorm alleine reisen!

Also dann… Ganz egal, wo auf der Welt du unterwegs bist: Man kann sich total naiv wirklichen Bedrohungen aussetzen oder aber auf kulturelle Hintergründe Rücksicht nehmen, sich selbst weniger zur Schau stellen (schließlich ist das Land die Attraktion), in ärmeren Gegenden die Ausstaffierung mit Hightech und Klunkern vermeiden und aufmerksam – bitte ohne paranoid zu sein! – das Reisen genießen.

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3 Comments

  1. Ute says:

    Schöner Artikel!! Ich reise ja seit mittlerweile sieben Jahren überwiegend alleine durch die Welt und habe nie wirklich schlechte Erfahrungen gemacht. Ganz im Gegenteil. In Sachen Sicherheit: Man ist eigentlich nirgendwo auf der Welt wirklich sicher. Daher sollte man sich nicht aus diesem Grund vor der Alleinreise verschließen. Es gibt so viele tolle Länder und man lernt so nette Menschen unterwegs kennen, dass ich jede Frau (egal, welchen Alters) dazu ermutigen möchte, den Schritt Alleinreise zu wagen 🙂

  2. Sabine says:

    Der Hinweis zu Costa Rica ist interessant. Haben das noch mehr von Euch so empfunden? Es reizt mich sehr, dort hin zu fliegen.

  3. Caroline says:

    Ich hab die Welt auch allein erkundet. Bzw. ich bin allein losgefahren, hab aber immer sofort Leute getroffen. Das ist als Frau oft sogar leichter, viele Menschen sind Frauen gegenüber weniger misstrauisch. Habe meine Reisegeschichten hier aufgeschrieben: http://shavethewhales.net

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