Was kommt in den Rucksack für eine Weltreise? Anmerkungen zum Packen

Ich packe meinen Koffer und nehme mit…

…ja, was bloß? Nach zwei Weltreisen – eine mit Zelt und Campingkocher, eine allein durch alle Klimazonen – packe ich für einen Wochenendausflug noch immer unrealistisch und unsortiert meine Tasche. Auf großer Reise aber hat das eindeutig besser geklappt. Mit 12 kg auf dem Rücken habe ich in einem Jahr sowohl Minusgrade in Chile, als auch brütende Sommernächte in Australien bewältigt. Meine nun folgenden Anmerkungen zum Packen beziehen sich ausdrücklich nicht auf reine Trekkingreisen in abgelegene Bergregionen. Diese benötigen natürlich ein anderes Equipment als auf meiner Weltreise durch so genannte zivilisierte Länder.

Zunächst erstmal muss ein Rucksack her, der die Lasten, die Du für längere Zeit mit Dir rumtragen wirst, aushält. Einer, der sich an Gurten und Riemen verstellen lässt, der Dich beim Probespaziergang nicht nach hinten zieht und der Dir auch nicht über den Kopf wächst. Du musst ihn noch händeln können, wenn Du in Buenos Aires auf dem Busbahnhof nach Deiner nächsten Verbindung hechtest. Ich war mit meinem Salewa Orion 55+10 vollkommen zufrieden. Der hat damals schlappe 69,95 Euro gekostet und sah nicht sonderlich stylisch aus, aber was soll’s? Ich habe ihn ja ohnehin nicht gesehen, entweder lief er hinter mir oder verschwand in unzähligen Flugzeug- und Busladeräumen.
Absolutes Lieblingsfeature an dem Teil war der Frontreißverschluss, der es mir ersparte, im Hostelzimmer jedesmal alles auszupacken, nur weil ich ein paar frische Socken brauchte, die nach ganz unten gerutscht waren. Der Rucksack existiert übrigens immer noch und wurde mittlerweile auf zwei längere Asientouren ausgeborgt. Lasst Euch in jedem Fall beraten und tragt Probe!

Tja und was packe ich da nun rein?

Lange Hosen, kurze Hosen, lange Shirts, kurze Shirts, Fleecejacke, Regenjacke, Unterwäsche für etwa eine Woche etc.pp. – es gilt das Zwiebelprinzip! Am besten mit farblich halbwegs abgestimmten Klamotten aus leichten und schnell trocknenden Materialien. Niemand wird/soll auf Reisen einen Schönheitswettbewerb gewinnen.

Wäscheleine und Klammern? Nähset? Eigenes Besteck und Tasse? Braucht kein Mensch und ist in jedem Hostel oder bei anderen Reisenden zu haben. Im Zweifel gibt es ALLES auch vor Ort zu kaufen und nur weil die Tampons in Australien teurer sind, schleppe ich doch nicht drei Kilo davon mit. Die paar Dollar sollten doch wohl noch drin sein!
Absolutes Must-have hingegen sind die schnell trocknenden Reisehandtücher. Sie sind leicht und nehmen keinen Platz weg. Außerdem: Flip-Flops! Idealerweise schon gut eingetragen. Nicht nur um durch tropische Reiseziele zu schlappen, sondern auch in fragwürdigen sanitären Situationen einfach unerlässlich.

"My Backpack" (c) Iris

Du hast alle Klamotten sortiert und in Plastiktüten verpackt? Clever! Die dreckigen Sachen in einen Jutebeutel gesteckt? Am cleversten! Dann fängt es erst später an zu stinken und den Beutel wirfst Du einfach mit in die Wäsche. Waschsalons gibt’s wirklich überall.

Ein dünnes Schlafsack Inlay ersetzt in warmen Regionen die Bettwäsche und unterstützt in kalten Gefilden die Wärmeproduktion. Die Kapuze an Jacke oder Pullover ersetzt im Zweifel die Mütze. Ich habe Leute getroffen, die in einen mitgebrachten Kissenbezug ihre Klamotten stopften: Das Packvolumen des Kissens haben sie gespart und waren dennoch gemütlich gebettet. Klamotten sollten gerollt werden, es ist erstaunlich wie viel mehr man so verpacken kann. Pro-Tipp: Duschgel und Shampoovorräte lassen sich in Hostels, die in Drehkreuz-Städten stehen, einfach auffüllen. Wo jemand ankommt, reist auch jemand ab. In den Mädchen-Duschräumen jedenfalls sah es oft wie in Drogeriefilialen aus – nicht immer war Vergesslichkeit daran Schuld. Lieber lasse ich doch den Seifenkram stehen und bekomme noch das coole T-Shirt in die Tasche, für das ich zuhause abgefeiert werde..

Ein Müllsack von innen an den Rucksack getackert, spart den oft nur extra zu erwerbenden Regenschutz. Den Typen, der mir diesen Tipp verriet, habe ich zunächst belächelt. Andererseits habe ich meinen 15 Euro-Regenschutz in zwölf Monaten tatsächlich 3x ausgepackt – und das auch nur, um endlich zu sehen, wie er eigentlich aussieht. Die Klamotten sind ja ohnehin regensicher in Plastiktüten verpackt..

Ansonsten gilt: Schwere Sachen bei Flügen oder Busfahrten immer anziehen! Das empfiehlt sich vor allem für die Trekkingschuhe. Ist zwar fies, wenn man in luftfeuchten Gebieten landet, aber spart ein paar Gramm auf dem Rücken beim Anstehen am Check-in.

Und was empfiehlt sich als Tagesrucksack? Wenn Du Dein Notebook mitnimmst natürlich einer mit Laptopfach. Ansonsten muss da alles reinpassen, was auf Tagesausflüge gehört und Überlandbusfahrten erträglicher gestaltet: Wasserflasche, Kamera, Passkopien, Adressbuch und so weiter. Wie man ihn mit Attitüde trägt, seht Ihr hier:

Die genaue Anzahl von Hosen und Shirts muss jeder für sich selbst herausfinden. Will ich jobben? Will ich ausgehen? Werde ich eher am Lagerfeuer sitzen oder im Gemeinschaftsraum? Wie viele verschiedene Klamotten brauche ich so im Alltag? Beobachtet Euch mal selbst und wer dann noch Inspiration braucht, stöbert sich einfach durchs Netz und findet dabei nicht nur lustige Tools, sondern auch Blogs, in denen Backpacker ihre Erfahrungen mit Euch teilen. Im Weltreise Blog gibt es zum Beispiel eine sinnvolle (und kommentierte) Packliste von Konrad sowie eine durchaus streitbare Liste seiner Freundin. Bei Planet Backpack geht es eher tropisch zu und so kann man natürlich auch packen:

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Rucksackbild (c) by Iris

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1 Comment

  1. Jason says:

    Der getackerte Müllsack ist ein guter Tipp!

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