Menschen in fremden Ländern fotografieren: Tipps von Reisefotograf Robin Simon im Interview (Teil 2)

Bei meiner letzten Rucksacktour durch Myanmar gab es viele Möglichkeiten, einzigartige Portraits von den Menschen des Landes zu machen. Insbesondere die Mönche hatten es mir angetan. Mönche bei der Arbeit, Mönche im Supermarkt, beim Beten in der Pagode oder auch die kleinen Nachwuchsmönche, die in den Ruinen der verwilderten Pagoden spielten. Auf Kinder zuzugehen, war noch verhältnismäßig einfach. Doch bei den Mönchen wusste ich oft  nicht, ob ich mit einem Foto eine Grenze überschritten hätte. Wie es einem gelingt, in fremden Ländern Menschen in ihrem Alltag einzufangen, diskutierte ich mit Reisefotograf Robin Simon. Während ich mit ihm im ersten Teil unseres Interviews vor allem über das Handwerkliche bei der Fotografie auf Reisen gesprochen habe, geht es im zweiten Teil um die Menschen vor der Linse und wie ich sie in Szene setze.

Robin, auf deinem Blog www.robinsimon.com sieht man viele Portraits von Menschen aus aller Herren Länder. Wie geh ich denn als Amateurfotograf auf fremde Personen zu? Aktiv ansprechen oder lieber heimlich fotografieren? 

Ich würde am Anfang raten, aktiv auf die Menschen zuzugehen. So baut man Hemmungen ab und lernt mit der Fotografensituation umzugehen.

Laos / © Robin Simon

Laos / © Robin Simon

 Ich geh zum Beispiel sehr gerne auf Kinder zu, gucke dann die Eltern an, wenn sie meine Sprache sprechen, frage ich sie ganz direkt, ansonsten zeig ich aufs Kind, zeig auf die Kamera und meist sind sie dann ganz stolz. Das kann man im zweiten Schritt auch gleich mit den Erwachsenen machen.

Man ist dann irgendwann überrascht, wie oft erwachsene Menschen auch stolz sind, wenn sie fotografiert werden. Klar kommt es auch vor, dass ich ein Nein oder sogar eine pampige Antwort bekomme, aber dann lach ich oder entschuldige mich und geh weiter. Es ist letztendlich eine Frage des Respekts. Es gibt Szenen, da weißt du, das fotografiert man nicht.

Wenn man Menschen aktiv anspricht, hat man mitunter das Problem, dass sie sich für das Bild inszenieren. Aber manchmal will man ja genau die unbeobachteten Momente, weil sie besonders authentisch sind.

Wenn man anfängt mit der Reisefotografie, dann kann man nicht erwarten, sofort Momente einzufangen wie die berühmten Magnum-Fotografen. Man muss doch erst mal lernen, mit der Situation, einen Menschen zu fotografieren, umzugehen. Und das lernst du, indem du mit den Menschen kommunizierst. Du kriegst ein viel besseres Gefühl dafür, wie Menschen auf die Kamera reagieren und du bekommst ein Selbstbewusstsein als Fotograf.

Peru / © Robin Simon

Peru / © Robin Simon

Allein das macht schon verdammt viel aus. Wenn du selbstbewusst mit deiner Kamera durch die Gegend läufst, dann wirkst du ganz anders als ein Tourist mit einer fetten Canon, der aber nur Bilder macht, um Facebook vollzumüllen. Und wenn du dann ein paar gestellte Situationen fotografierst, baust du Vertrauen zu den Menschen auf. Die ersten fünf Bilder wirken vielleicht noch verkrampft, aber dann lockert sich die Situation und beim nächsten Foto entsteht eine persönliche Situation.

Aber natürlich frage ich nicht JEDEN Menschen. Ich mache auch Schnappschüsse, fotografiere Menschen beim Arbeiten oder vorbeigehen, es gibt viele Situationen, da geht es gar nicht anders. Aber warum nicht auch öfter mit den Menschen sprechen, das hat noch nie geschadet. Notfalls nachdem du ein Foto gemacht hast. Wie gesagt, es geht um gegenseitigen Respekt.

Von deinen Reisen hast du eine Menge Bilder und sicher noch eine größere Menge toller Geschichten mitgebracht. Was ist die beste Story hinter einem Bild von dir?

 

Indonesien / © Robin Simon

Indonesien / © Robin Simon

Das ist schwierig, denn letztlich stellt man nur ungerne ein Bild über alle anderen. Aber es gab viele schöne Situationen. So war ich letztes Jahr in Indonesien unterwegs, um Orang Utans in freier Wildbahn zu fotografieren. Dabei freundete ich mich mit den Dschungel-Guides an und diese luden mich dann zu einer traditionellen Hochzeit in einem kleinen Dorf ein. Das Brautpaar aber auch alle Gäste waren unglaublich erfreut und ich durfte den Tag dort verbringen. Dabei entstanden einige für mich sehr persönliche Fotos.

Oder auf meinem Roadtrip durch Rumänien machte ich mal an einem kleinen, sehr armen Dorf halt, und sofort kamen Kinder angerannt. Als ich dann ein paar Fotos schoss, kamen auch die Eltern und das halbe Dorf und wir verbrachten viel Zeit mit Lachen und Fotografieren. So entstehen meistens die besten Bilder.

 

 

 

Lieber Robin, vielen Dank für das Interview. Wer sich noch näher mit dem Thema beschäftigen möchte, dem sei der Beitrag von Martin Gommel auf Kwerfeldein empfohlen. Im Folgenden findet ihr noch in der Bildergalerie einige ausgewählte Reisebilder von Robin. Mehr davon natürlich in seinem Blog. 

 

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klein_robin_08

Zur Person: Robin Simon (35), freiberuflicher Fotograf und heute hauptberuflich als Gründer diverser Start-ups (u. a. die Musik-Flirtplattform Fellody.com) tätig. Schon während des Studiums konnte er seine Bilder an große Bildagenturen verkaufen und auch nach dem Studium blieb er dem Bildgeschäft treu und baute als Geschäftsführer die Schweizer Bildagentur Sodapix.com mit auf. In seinem Foto-Blog www.robinsimon.com widmet sich der 35-Jährige vor allem seiner Leidenschaft, dem Reisen.

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