Tipps & Tricks für spannendere Urlaubsbilder im Interview mit Reisefotograf Robin Simon (Teil 1)

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Reisefotograf Robin Simon

Mir hat meine alte digitale Kompaktkamera auf Reisen ja immer gute Dienste geleistet. Während sich andere Backpacker mit einer digitalen Spiegelreflex und gefühlten zehn Objektiven abschleppten, musste ich nur in meinen kleinen Rucksack greifen und abdrücken. Vor meiner letzten großen Reise nach Myanmar und Borneo hat meine alte Kamera den Geist aufgegeben und eine neue musste her. Ich entschied mich beim Kauf für den goldenen Mittelweg, eine Systemkamera sollte es sein. Doch erst mal war ich war total überfordert. Blende, ISO, Modus A, S oder Programmautomatik? Bitte was? Nach einem lauten Hilfeschrei hat sich ein befreundeter Fotograf erbarmt, mir via Skype-Video noch kurz vor der Reise die Basics in kleinen Häppchen beizubringen. Genau diesen Reisefotografen, Robin Simon, hab ich jetzt für das Blog zum Gespräch gebeten und ihm auch den ein oder anderen Fotografen-Tipp entlocken können.

Robin, bevor wir hier zu den Tipps und Tricks kommen, kannst du uns kurz erzählen, wie und wann du zur Fotografie und im Speziellen zur Reisefotografie gekommen bist?

Ich war ungefähr 10 Jahre alt, als ich die erste Kamera von meinen Eltern bekommen habe. Eine kleine Billigkamera, die ich zusammen mit fünf 36er Filmen während unseres ersten großen USA-Urlaubes ausprobieren konnte. Schon damals hab ich meine Schwester genötigt, ihre Filme für Standardaufnahmen wie Bilder vom Grand Canyon usw. zu verbrauchen. Ich wollte lieber Tiere oder auch einzelne Menschen fotografieren. So richtig los mit der Fotografie ging es dann aber erst mit ungefähr 20 nach einem Praktikum in Südafrika. Dort hatte ein Freund von mir damals schon eine Spiegelreflexkamera. Beim späteren Bildvergleich ist mir aufgefallen, dass meine Bilder mit der Kleinbildkamera gar nicht viel schlechter waren. Da hab ich gemerkt, dass mir die Fotografie liegt und mir zuhause dann auch eine Spiegelreflexkamera gekauft und losgelegt.

Was würdest du sagen, was einen guten Fotografen ausmacht?

Gute Fotografie setzt sich ja aus vielen Aspekten zusammen. Erstmal musst du ein gutes Auge für Szenen und Situationen haben bzw. entwickeln. Das ist das Wichtigste. Dann solltest du natürlich die Technologie deiner Kamera beherrschen. Wer aber glaubt, mit einer teuren Kamera und Objektiven automatisch gute Bilder zu machen, der täuscht sich gewaltig. Ich krieg jedes Mal eine Krise, wenn ich auf Reisen Leute mit einer digitalen Spiegelreflexkamera sehe, die dann doch nur den Vollautomatik-Modus benutzen und denken, so lernen sie fotografieren. Das ist so, als ob man sich einen Porsche kauft und glaubt man sei nun Formel1-tauglich. Jeder, der sich mit der Fotografie mal genauer beschäftigt und sein Auge schult, kann mit einer billigen Kamera wirklich spannende Bilder machen.

Okay, was würdest du nun Leuten raten, die mit dem Fotografieren anfangen wollen? Erstmal einen Fotokurs besuchen?

Fotokurse sind sicher keine schlechte Option, da lernt man die Basics über Verschlusszeiten und Blendengröße usw. Aber generell gilt: Mach viele Fotos und schau sie dir danach genau an. Warum wirkt das Portrait von der vietnamesischen Oma auf dem Schaukelstuhl auf dem einen Bild langweilig und auf dem anderen Bild total authentisch? Welche Einstellungen habe ich gemacht? Welche Brennweite, wo stand die Sonne, welche ISO war eingestellt etc.? Durch das Analysieren der eigenen Bilder lernst du schon extrem viel. Je mehr man dann fotografiert und analysiert, desto eher erkennt man Situationen und kann plötzlich Bilder ähnlich gut reproduzieren.

Hast du ein paar Tipps und Tricks, mit denen ich die Bilder auf meiner nächsten Reise spannender gestalte?

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Beispiel: passender Hintergrund
© Robin Simon

Ja, es gibt drei Stichworte, die man beim Fotografieren im Hinterkopf haben sollte: den Hintergrund, die Ausrichtung und die Perspektive.

Den Hintergrund eines Bildes nehmen viele Anfänger schlicht und einfach nicht wahr, denn sie schauen durch ihren Sucher oder aufs Display und sehen nur das Hauptobjekt, das sie fotografieren wollen. Wenn du dir aber angewöhnst, das Auge jedes Mal einmal um die Ecken des Bildes laufen zu lassen, dann wirst du eben auch zum Beispiel die störenden Mülleimer im Hintergrund sehen und kannst dementsprechend agieren.

Bei der Ausrichtung eines Objekts, beispielsweise einer Person, solltest du versuchen, diese nicht immer in die Mitte des Bildes zu setzen. Versuch mal, dich am sogenannten goldenen Schnitt zu orientieren. Dabei wird das Foto durch jeweils zwei vertikale und horizontale Linien in 9 gleichgroße Boxen unterteilt. Das Objekt sollte nun an einem der vier Schnittpunkte ausgerichtet werden. Aber das ist natürlich nur eine Hilfestellung. Das heißt nicht, dass man nicht auch mal zentrieren darf. Ist aber jede Person zentriert im Bild, werden die Bilder schnell langweilig.

Eine weitere Möglichkeit, Bilder spannender zu gestalten, ist das Spielenmit unterschiedlichen Perspektiven. Einfach nur dastehen und ein Bild machen kann jeder. Wenn ich mich aber mal ducke, mich irgendwo drauf stelle oder in die Knie gehe, das kann schon eine Menge ausmachen. Also, beweg dich! Einfach in die Gegend zoomen und hoffen, dass dabei ein tolles Bild herauskommt, geht meistens in die Hose. Ein kleiner Schritt kann manchmal viel ausmachen.

Taj Mahal aus der Froschperspektive  © Robin Simon

Taj Mahal aus der Froschperspektive
© Robin Simon

Was fotografierst du am Liebsten auf Reisen?

Menschen, Tiere, Objekte, Situationen – also, ich fotografier eigentlich alles auf Reisen. Das was mir aber am meisten Spaß macht, ist das Einfangen von Situationen. Ich möchte Szenen einfangen, die das Land repräsentieren, die aber nicht zu plump sind, eben nicht das hundertste perfekte Postkartenfoto. Das heißt natürlich nicht, dass ich nicht auch „normale“ Fotos mache, weil ich eine schöne Reiseerinnerung haben möchte. Aber wenn es wirklich um für mich wertvolle Fotografie geht, dann möchte ich meine Emotionen, die ich gerade zu dem Zeitpunkt in dem Land an diesem Ort empfinde, fotografisch umsetzen. Und das kann man tatsächlich trainieren, indem man mit offenen Augen durch die Gegend geht und alles, was einen berührt, einfängt. Ein Beispiel: In Delhi, Agra oder anderen indischen Großstädten sieht man immer wieder Menschen einfach am Rande stark befahrener Straßen liegen und schlafen, weil sie keine Unterkunft haben. Das kümmert dort niemanden, für mich aber verdeutlicht diese „Normalität“ das Chaos Indiens. Und genau so will ich das dann auch einfangen.

 

Teil 2 des Interviews folgt in Kürze. Hier spricht Robin Simon unter anderem über das Fotografieren fremder Menschen auf Reisen. Ansprechen oder heimlich Fotografieren? 

Hier eine Auswahl an Reisebildern von Robin Simon: 

 

Zur Person: Robin Simon (35), freiberuflicher Fotograf und heute hauptberuflich als Gründer diverser Start-ups (u. a. die Musik-Flirtplattform Fellody.com) tätig. Schon während des Studiums konnte er seine Bilder an große Bildagenturen verkaufen und auch nach dem Studium blieb er dem Bildgeschäft treu und baute als Geschäftsführer die Schweizer Bildagentur Sodapix.com mit auf. In seinem Foto-Blog www.robinsimon.com widmet sich der 35-Jährige vor allem seiner Leidenschaft, dem Reisen.

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